Fernkälte für Privathaushalte – Wie kann man nachrüsten?

Fernkälte eignet sich vor allem in Gewerbe-, Büro-, und Veranstaltungsgebäuden. Im Wohnbau ist sie nur selten verfügbar. Alle Infos zu Fernkälte im Privathaushalt gibt's hier.
Aktualisiert am: 28.08.2025
AlthanPark in Wien mit Fernkälte in Wohneinheiten

„Cool“ trifft es hier ganz gut: Im Althan Park im 9. Wiener Gemeindebezirk werden die Wohnungen mit umweltfreundlicher Fernkälte gekühlt. Die Bewohner*innen dieses Neubaus waren die ersten in Wien, die auch im Privathaushalt in den Genuss von Fernkälte kommen. Davor war Fernkälte Büros, Spitälern und ähnlichen Gebäuden vorbehalten. Die große Nachfrage hat dann schon bald dazu geführt, dass ein Ausbau der Fernkälteanlage in der Spittelau notwendig war. Dadurch konnten 2019 erstmals Wohnungen an das nachhaltige Kühlsystem angeschlossen werden. Auch am Nordbahngelände und rund um den Hauptbahnhof werden bereits Wohnungen mit Fernkälte versorgt.

Was ist Fernkälte und wie funktioniert sie?

Fernkälte ist eine umweltfreundliche Kühlmethode, bei der kaltes Wasser über ein Leitungsnetz zu den Gebäuden transportiert wird. Sie spart im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen Energie und auch CO₂-Emissionen ein. Die Kälte wird in zentralen Anlagen mit hocheffizienten Kältemaschinen erzeugt.  

Bei der Produktion von Fernkälte kommen neben Kompressionskältemaschinen (elektrisch betrieben) auch Absorptionskältemaschinen zum Einsatz. Diese werden statt mit Strom mit Fernwärme betrieben. Wien Energie nutzt dafür die Abwärme der Müllverbrennung, die auch im Sommer zur Verfügung steht.  Durch diese Methode wird aus überschüssiger Wärmeenergie, die sonst ungenutzt bleiben würde, umweltfreundliche Fernkälte erzeugt. Die Verteilung in den jeweiligen Gebäuden erfolgt über die hauseigenen Kühlungs- bzw. Klimatisierungsanlagen. 

Ist Fernkälte überhaupt für Privathaushalte nachrüstbar?

Die Nachrüstung ist zwar grundsätzlich möglich, aber es gibt einige Hürden. Fernkälte hat nämlich nichts mit dem Fernwärmenetz zu tun. Das heißt: Es sind zwei voneinander unabhängige Systeme – sowohl im Netz als auch in der Hausinstallation. Das macht das Ganze etwas komplex.

Welche Voraussetzungen sind nötig?

Um Fernkälte beziehen zu können, benötigt das Haus ein entsprechendes Kühl-/Belüftungssystem. Diese Nachrüstung ist im Bestand sehr aufwändig und kann meist nur im Zuge umfassender Sanierungen durchgeführt werden. Oder wird eben im Neubau von vornherein mitgeplant

Ist bereits ein Kühlsystem vorhanden, dann ist eine Umrüstung prinzipiell schon möglich. Aber auch da gibt es viele Faktoren, die relevant sind: vorhandene Kältezentrale in der Umgebung, entsprechende Verbindungsleitungen zwischen Gebäude und Fernkältenetz und die Eignung der Hausinstallation. Einzelwohnungen können aus technischen wie wirtschaftlichen Gründen derzeit nicht an die Fernkälte angeschlossen werden. 

Welche Vorteile/Nachteile hat Fernkälte im privaten Bereich? 

Vorteile:

  • Umweltfreundliche und nachhaltige Kühlung durch Nutzung überschüssiger Wärmeenergie. 
  • Reduzierung des Energieverbrauchs und der CO₂-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen. 
  • Komfortable und zuverlässige Kühlung für Wohnräume. 

Nachteile:

  • Hoher Aufwand und Kosten bei der Nachrüstung im Bestand. 
  • Technische Voraussetzungen oft nicht gegeben. 
  • Keine Möglichkeit, einzelne Wohnungen in einem Haus anzuschließen. 

Fazit

Fernkälte ist eine umweltfreundliche Alternative zur klassischen Klimaanlage – vor allem in Neubauten und dort, wo ganzjährig ein hoher Kühlbedarf herrscht. Für Bestandswohnungen bleibt die Nachrüstung aktuell eine Herausforderung. Wien Energie plant den weiteren Ausbau des Fernkältenetzes, sodass künftig mehr Haushalte profitieren können. Bis 2030 sollen die Kapazitäten deutlich steigen.

Fernkälte für Privathaushalte » Voraussetzungen zum Nachrüsten