Sind Elektroautos umweltfreundlicher? Wir machen den Faktencheck

Seit der Einführung von E-Autos wird oft diskutiert: Wie umweltfreundlich sind E-Autos wirklich? Wir sehen uns das in diesem Blogbeitrag genauer an.
Aktualisiert am: 11.12.2024
Eine Hand steckt ein Ladekabel in die Steckdose eines Elektrofahrzeugs.

Hoffnungsträger E-Mobilität

Der Straßenverkehr verursacht etwa ein Viertel der in Österreich jährlich ausgestoßenen Treibhausgase. Hier gibt es also einen großen Hebel, an dem angesetzt werden kann und muss, um Klimaneutralität zu erreichen.

Mit dem Festhalten an herkömmlichen Verbrennungsmotoren ist das nicht zu schaffen, das steht fest. Es braucht also alternative Antriebsmöglichkeiten für Personen- und Warenverkehr – so weit sind sich Expert*innen einig. Wir werfen einen Blick auf die Fakten.

Sind E-Autos klimafreundlich?

Weißes Elektroauto wird an einer Tankstelle von Wien Energie in einer Stadtstraße aufgeladen.

In die Klimabilanz von Elektroautos fließen zwei maßgebliche Faktoren ein: Treibhausgasemissionen und Rohstoffverbrauch.

CO₂-Emissionen

Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor in Österreich, dessen Treibhausgasemissionen seit dem Jahr 1990 einen deutlichen Anstieg um fast 60 % verzeichnen. 99 % davon stammen aus dem Kfz-Verkehr, mehr als die Hälfte hiervon wiederum aus dem Pkw-Verkehr. Der Verkehrssektor verbraucht 80 % des Erdöls in Österreich. Er trägt auch stark zu schädlichen Feinstaub- und Stickoxidemissionen (NOx) bei. Elektrofahrzeuge stoßen selbst, im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, keine Abgase aus.

Nun stellt sich noch die Frage nach der Erzeugung des Stroms, mit dem das Fahrzeug geladen wird. Denn je nach Stromquelle können dabei CO₂-Emissionen entstehen – die sich natürlich auf die Klimabilanz des zu ladenden Fahrzeugs auswirken.

Kommt die Energie zur Gänze aus erneuerbaren Energiequellen, wie zum Beispiel der Solaranlage am Hausdach, ist das Fahrzeug tatsächlich emissionsfrei unterwegs. Wird der Strom aber zumindest teilweise aus Quellen wie zum Beispiel Kohlekraftwerken oder Müllverbrennungsanlagen bezogen, entstehen bei seiner Erzeugung Emissionen. Je nach Kraftwerk mehr oder weniger – die Abfallverwertungsanlagen von Wien Energie zählen etwa zu den Vorreitern in Sachen Klimafreundlichkeit.

Ein mittelgroßes Elektroauto erzeugt, geladen mit Energie aus einem durchschnittlichen Strommix, trotzdem 66 bis 69% weniger Treibhausgase als ein vergleichbares Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Zu diesem Ergebnis kam die Umweltorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) in einer umfassenden Studie. Auch die bei der Herstellung des jeweiligen Fahrzeugs durchschnittlich ausgestoßenen Emissionen sind hier bereits einberechnet. 

Rohstoffverbrauch

Wie steht es nun um den Rohstoffverbrauch? Damit meinen wir den Verbrauch der Rohstoffe, die für E-Autos nötig sind. Auch die Umweltschäden, die bei der Gewinnung entstehen können, sind wichtig. Eine nachhaltige Lösung könnte das Recycling von Batterien sein, um den Bedarf an neuen Rohstoffen zu reduzieren.

Auch beim Rohstoffverbrauch sind E-Autos auf lange Sicht umweltfreundlicher als Autos mit Verbrennungsmotoren.

Recycling

Bevor man die Batterie zerlegt und recycelt, sollte man über eine alternative Nutzung in einem Second Life nachdenken. Das bedeutet, dass alte Batterien nach der Nutzung im Auto weiterverwendet werden können. Sie können als stationäre Energiespeicher dienen, zum Beispiel für Photovoltaikanlagen oder als dezentrale Speicher im Stromnetz. Somit kann man die Lebensdauer der Batterien um weitere 10 Jahre verlängern

Der erste Schritt im Recyclingprozess ist die Demontage der Batterie. Danach wird sie geschreddert, um die verschiedenen Materialien zu trennen. Somit werden wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Kobalt und Mangan zurückgewonnen. Auch Kunststoffe und Aluminium werden recycelt.

Aktuell muss man bei diesem Prozess noch mit höheren Kosten rechnen, welche jedoch durch fortschreitende Technologien stetig sinken. Und das ist auch notwendig, denn laut der neuen EU-Batterieverordnung soll die Verwertungsquote für Batterien bis 2031 auf 95 % steigen.

Woher soll der zusätzlich benötigte Strom für die E-Mobilität kommen?

Zwei Personen laden an einer Straßenstation ein Elektroauto auf, in der Nähe stehen Einkaufstüten in einer Stadtumgebung.

Der Umstieg auf E-Fahrzeuge geht mit einem höheren Strombedarf einher. Dieser hält sich allerdings in Grenzen: Elektroautos haben inzwischen einen sehr hohen Wirkungsgrad, was sie sehr energieeffizient macht. Das bedeutet: Sie verbrauchen im Betrieb wenig Energie.

Laut Berechnungen des VCÖ würde der Strombedarf in Österreich nur um 1,8 % steigen, wenn 10 % aller PKW elektrisch betrieben wären. Bei einer Million Fahrzeugen wären es 3,6%. Würden alle in Österreich zugelassenen Fahrzeuge elektrisch fahren, würde der Strombedarf um etwa 18 % ansteigen.

Um das Ganze in Relation zu setzen: Der Ertrag einer kleinen Photovoltaikanlage deckt den Strombedarf eines E-Autos ab, der eines Windrades den Bedarf von 2.700 E-Autos. Um eine Million elektrisch betriebene Fahrzeuge zu versorgen, braucht es also um die 370 Windräder in ganz Österreich. 

Der Ausbau erneuerbarer Energie ist natürlich eine wichtige Voraussetzung für die positive Ökobilanz von E-Autos. Denn den erhöhten Strombedarf mittels Erzeugung aus Kohle oder Erdgas abzudecken, wäre kontraproduktiv. Österreich arbeitet hart an diesem Ausbau. Laut dem Pariser Klimaschutzabkommen soll bis 2030 mindestens 32 % des Stroms in der EU aus erneuerbaren Energien kommen. 

Fazit

Mann lädt Elektroauto via Kabel über Wien Energie Ladestation.

Abschließend kann man sagen: Die Technologie von E-Autos ist schon weit entwickelt. Man arbeitet ständig an ihrer Verbesserung. Im Vergleich sind E-Autos umweltfreundlicher als Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren. 

  1. Tipp

    Im Faktencheck E-Mobilität haben wir gemeinsam mit dem VCÖ noch mehr Fragen zum Thema beantwortet. Und auf unserer Website findest du mehr zum Thema Elektromobilitätund zu unserem Projekt “1.000 Ladestellen für Wien” und wie es zukünftig mit den Lademöglichkeiten ausschaut.

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