Geothermie: Nutzen wir die Wärme aus der Tiefe!
Unter unserer Stadt gibt es einen Schatz. In 3.000 Metern Tiefe unter Wien liegt ein großes Heißwasservorkommen verborgen. Dieses Wasser nutzen wir für eine klimaneutrale und unabhängige Wärmeversorgung.
Der Wärmesektor macht nahezu die Hälfte des Energieverbrauchs von Haushalten und Gewerben aus. Genau genommen sind es rund 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Warmwasser und Heizwärme.
Bereits jetzt versorgen wir schon über eine Million Haushalte mit umweltfreundlicher Fernwärme. Um diese Zahl weiter zu erhöhen, arbeiten wir ständig am Einsatz neuer Technologien.
Unser Ziel ist es, die Klimaziele bis 2040 zu erreichen. Wir wollen unsere Stadt in Zukunft klimaneutral und unabhängig versorgen. Neben der Nutzung von Abwärme kommt dafür nun auch Tiefengeothermie zum Einsatz.
Tiefengeothermie – der Schatz aus der Erde

In 3.000 Metern Tiefe liegt ein Schlüssel zur Wiener Wärmewende verborgen. Ein riesiges Heißwasservorkommen, mit dem zukünftig hunderttausende Wiener Haushalte versorgt werden könnten, schlummert unter unserer Stadt. Dieses nutzen wir, um die Fernwärme weiter zu dekarbonisieren. Mit der Errichtung der ersten Tiefengeothermie-Anlage für Wien setzen wir somit einen Meilenstein in Richtung klimaneutraler Großstadt.
Für die Umsetzung dieses Projekts haben Wien Energie und OMV ihre Kompetenzen gebündelt und das Joint Venture deeep gegründet. In diesem Joint Venture wollen wir Fernwärme aus Tiefengeothermie mit einer Leistung von bis zu 200 Megawatt entwickeln. Umgerechnet können damit rund 200.000 Wiener Haushalte mit klimaneutraler Fernwärme versorgt werden.
Für dieses Ziel, das im Laufe der 2030er-Jahre erreicht werden soll, planen Wien Energie und OMV die Errichtung von sieben Tiefengeothermie-Anlagen in Simmering und Donaustadt. Die Bohrungen für die erste Tiefengeothermie-Anlage Wiens in Aspern haben im Dezember 2024 begonnen.
Was ist Tiefengeothermie?
Unter Geothermie versteht man die in der Erde gespeicherte Wärmeenergie. Sie stammt aus dem rund 5.000 bis 7.000°C heißen Erdkern und natürlichen Zerfallsprozessen im Erdmantel. Es ergibt sich ein stetiger Wärmeaustausch mit der Erdkruste. Dieser Wärmeaustausch ist unerschöpflich.
Tiefengeothermie ist eine spezielle Form der Geothermie, bei der Wärme aus großen Tiefen der Erde genutzt wird. Dafür sind Bohrungen in mehrere tausend Meter Tiefe erforderlich.
Bei dieser Technik werden tief im Boden liegende Gesteinsschichten oder heißes Wasser genutzt. So kann Energie für die Fernwärme gewonnen werden. Im Vergleich zur oberflächennahen Geothermie ist Tiefengeothermie also auf deutlich tiefere Schichten angewiesen, in denen die Temperaturen wesentlich höher sind.
So funktioniert eine Tiefengeothermie-Anlage

Das Formationswasser, also das warme Wasser, das tief in den Gesteinsschichten eingeschlossen ist, wird in die Geothermieanlage an der Oberfläche befördert. Dort wird ihm die Wärme mittels Wärmetauscher entzogen. Anschließend wir die gewonnene Wärme ins Fernwärmenetz eingespeist und verteilt. Nach der Wärmeentnahme wird das abgekühlte Formationswasser wieder in dasselbe Heißwasservorkommen (Geothermisches Reservoir) zurückgeführt. Somit entsteht ein geschlossener erneuerbarer Kreislauf.
GeoTief als Grundstein der Geothermie in Wien
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Dem Bau der ersten Tiefengeothermieanlage Wiens gehen intensive Forschungen voraus. Gemeinsam mit Partner*innen aus Wissenshaft und Industrie haben Wien Energie und OMV im Zuge des Projekts GeoTief Wien zwischen 2016 und 2022 den geologischen Untergrund im Großraum Wien umfassend erforscht und ein 3D-Modell des Wiener Untergrunds erstellt. Bei diesen Forschungen hat man das Aderklaaer Konglomerat entdeckt.
Dabei handelt es sich um eine poröse Gesteinsschicht. Diese Schicht liegt unter einem Gebiet, das von Donaustadt bis Simmering reicht. In rund 3.000 Metern Tiefe befindet sich ein Großteil der Heißwasser-führenden Schichten.
Nach der Auswertung von Unmengen an Daten, weiß man, dass die gefundenen Ablagerungen vor circa 20 Millionen Jahren entstanden sind. In einer Zeit, in der Mammuts und Ur-Haie in Wien unterwegs waren. Bei der Gesteinsschicht handelt es sich geologisch um die miozäne Füllung des Wiener Beckens. Auch die Eigenschaften wie Lage, Geometrie und Mächtigkeit des Vorkommens werden durch Modelle bestimmt. Laut Schätzungen könnte das Aderklaaer Konglomerat bis zu 100 Grad Celsius heiß werden. Es eignet sich also sehr gut für die Nutzung der Wiener Fernwärme.


